Warum Inklusion in Notlagen zählt

Inklusion betrifft alle Bereiche des Lebens, und dazu zählen ganz entscheidend auch Notlagen und Katastrophen. In Zeiten akuter Not werden Menschen mit einer Behinderung oder Senioren allzu oft übersehen und manchmal sogar übergangen. Als Gründer einer sozialen Gemeinschaft ist es für mich daher eine freiwillige Selbstverpflichtung, genau dort zu helfen, wo die Unterstützung am dringendsten gebraucht wird.
Durch die Einsätze bei der Flutkatastrophe im Ahrtal und während der Winterhilfe für Obdachlose habe ich quasi über Nacht ein starkes Netzwerk an Unterstützerinnen und Unterstützern aufgebaut. Ohne ihren unermüdlichen Einsatz wären solche Hilfsaktionen und Zusatzleistungen schlichtweg nicht möglich gewesen.
Hilfe für die Ukraine – Unsere Gründe
Kriege hinterlassen keine Sieger, sondern nur unsagbares Leid in der Zivilbevölkerung. Seit Wochen tobt der blutige Angriffskrieg Russlands in der Ukraine. Doch hier kämpfen nicht Länder gegeneinander, sondern Menschen – und die Hauptleidtragenden sind die Zivilistinnen und Zivilisten. Wer es einrichten kann, verlässt das Land, um sich und seine Lieben in Sicherheit zu bringen.
Doch es gibt auch jene, für die eine Flucht unmöglich ist: die Alten, die Kranken, Menschen mit einer Behinderung oder durch die Kämpfe schwer Verletzte. Es handelt sich dabei keineswegs ausschließlich um Soldaten, sondern um Menschen, für die es schlicht keine Fluchtoption gibt. Oft fehlt es den verbliebenen Krankenhäusern und den Betroffenen massiv an geeigneten Hilfsmitteln, weil diese zerstört wurden oder von vornherein nicht vorhanden waren.

Nothilfe im Detail: Von der Idee zur Umsetzung
Natürlich gibt es die großartige und wichtige Unterstützung von großen Hilfsorganisationen, die Lebensmittel, Kleidung und Medikamente in das Krisengebiet transportieren. Doch an medizinischem Hilfsmaterial und speziellen Mobilitätshilfen mangelt es meistens an allen Ecken und Enden.
Vor einigen Wochen sprach mich ein Freund an: Der Chef seiner Firma „Germania Rollo“ wollte zeitnah und unbürokratisch helfen. Schließlich hatte „Inklusion Muss Laut Sein“ bereits direkt nach dem Hochwasser im Ahrtal das Netzwerk mobilisiert und Hilfsmittel kostenfrei ersetzt. Auch die Winterhilfe in Berlin, bei der Rollatoren und Rollstühle für obdachlose Menschen mit Behinderungen bereitgestellt wurden, war ein starkes Vorbild gewesen.
Durch diese vorangegangenen Einsätze waren unsere Lager fast wie leergefegt. Doch durch eine glückliche Fügung ergab sich ein Lichtblick: Simone vermittelte über ihren Arbeitgeber, das Seniorenheim Haus Landblick im Norden, gleich zwei große Ladungen an Rollstühlen, Rollatoren und Pflegerollstühlen. Zusammen mit einem Buddie von „Inklusion Muss Laut Sein“ holten wir die Spende ab und brachten sie in eine Halle, die mir meine Vermieterin netterweise kostenfrei zur Verfügung gestellt hatte.

Hygiene, Sicherheit und eine echte Punktlandung
Jetzt fing die eigentliche Arbeit erst an: Alle Hilfsmittel mussten gründlich gereinigt, technisch überprüft und im Anschluss lückenlos desinfiziert werden. Durch meine Ausbildung zum Hygienebeauftragten und meine Mitgliedschaft im Verband für Krankenhaushygiene ist es mir ein persönliches Anliegen, hier penibel vorzugehen. Schließlich gehören Sicherheitsaspekte und die konsequente Infektionsvermeidung untrennbar zu einer professionellen Nothilfe dazu.
Weil pandemiebedingt die geplanten Buddies ausfielen, hieß es für mich: selbst anpacken. Bei der enormen Menge an Hilfsmitteln und einem straffen Zeitplan war das eine echte Herausforderung. Glücklicherweise fand sich trotz widriger Umstände die eine oder andere helfende Hand, denn unsere Hilfe für die Ukraine musste schnellstmöglich auf den Weg gebracht werden. Am Ende legten wir eine echte Punktlandung hin – etwa eine Stunde vor dem geplanten Abholtermin war der letzte Rollstuhl fertig vorbereitet.
Ein großes Danke an alle Beteiligten
Mir ist vollkommen bewusst, dass dieser Artikel nicht den Hochglanz-Standards anderer Hilfsorganisationen entspricht. Es gibt hier keine perfekten PR-Fotos oder eine durchgestylte Pressesprache – aber das ist bei echter Nothilfe auch nicht mein Anspruch. Wichtig ist allein, die Verwaltungskosten so gering wie möglich zu halten und Spendengelder so sie vorhanden sind, dort einzusetzen, wo sie unmittelbar wirken.
Ich möchte mich an dieser Stelle von ganzem Herzen bei meinen Buddies und Unterstützern bedanken:
Dem Haus Landblick und Simone für die großzügige Sachspende.
Der Firma Germania sowie unseren beiden Fahrern für die logistische Meisterleistung in ihrer Freizeit.
Ich bin unglaublich froh und dankbar, dass wir gemeinsam zwei große Wagenladungen an dringend benötigten Hilfsmitteln bereitstellen konnten.
