Mission Barrierefreies Amt

Inklusion ist kein Zustand, sondern ein fortlaufender Prozess. Für das Projekt „Inklusion Muss Laut Sein“ bedeutet das, dort anzusetzen, wo Barrieren den Alltag einschränken – direkt bei den öffentlichen Einrichtungen, die für alle Bürgerinnen und Bürger zugänglich sein sollten. Kürzlich konnten wir unsere Mission zur Barrierefreiheit am Amtsgebäude in Burg erfolgreich abschließen.
Eine Begehung mit klaren Ergebnissen
Auf den ersten Blick wirkte das Amtsgebäude in Burg gut zugänglich. Die Außenanlage ist rollstuhlgerecht gestaltet und die automatische Türöffnungsanlage war bereits vorhanden. Doch wie so oft liegt die Tücke im Detail: Bei einer intensiven Begehung und Beratung vor Ort deckte das Team von „Inklusion Muss Laut Sein“ zwei kritische Mängel auf, die eine selbstständige Nutzung für Menschen mit Behinderung nahezu unmöglich machten.
Der erste Mangel betraf die Platzierung des Schalters im Inneren des Gebäudes. Er war so ungünstig montiert, dass ein Öffnen der Tür ohne fremde Hilfe kaum realisierbar war. Der zweite Punkt war die Öffnungszeit der Tür: Diese war technisch so kurz eingestellt, dass sie ein Sicherheitsrisiko darstellte und zu Unfällen hätte führen können. Zudem wurde deutlich, dass die bauliche Gegebenheit der nach außen öffnenden Tür Rollstuhlfahrer vor eine zusätzliche Hürde stellt, da sie stets ein Stück zurücksetzen müssen, um den Schwenkbereich zu verlassen.
Beratung als Schlüssel zum Erfolg
Für „Inklusion Muss Laut Sein“ ist es selbstverständlich, Kommunen bei diesem Prozess der Öffnung zu unterstützen. Die Beratung des Amtes erfolgte in diesem Fall kostenfrei. Nach unserer detaillierten Analyse und Beratung wurden die Mängel zügig angegangen. Der Schalter wurde versetzt und ist nun so positioniert, dass er für Rollstuhlfahrer sowie Nutzer von Rollatoren bequem und selbstständig erreichbar ist. Auch die Öffnungszeit der Tür wurde angepasst, um ein barrierefreies und sicheres Passieren zu ermöglichen.
Herausforderungen bleiben: Der Blick auf das Ganze
Während dieser Erfolg ein wichtiges Signal für die Gemeinde Burg setzt, verdeutlicht die Begehung im Heimat-Amt Burg – St. Michaelisdonn gleichzeitig, wie viel Arbeit noch vor uns liegt. Im dortigen Amtsgebäude identifizierten wir ein weiteres Hindernis: Der vorhandene Fahrstuhl ist für moderne, breite und schwere Elektrorollstühle nicht nutzbar.
Besonders kritisch ist hierbei die Platzkapazität: Eine für viele Menschen notwendige Begleitperson – etwa bei Menschen mit dem Merkzeichen „H“ (Hilflosigkeit) im Schwerbehindertenausweis – findet im Fahrstuhl keinen Platz mehr, sobald ein größerer Elektrorollstuhl hineinmanövriert wurde. Dies schließt betroffene Personen de facto von der vollen Nutzung des Gebäudes aus.
Ein Aufruf zu mehr Aufmerksamkeit
Die Mission in Burg zeigt, dass kleine bauliche Korrekturen oft große Wirkung zeigen und Teilhabe erst ermöglichen. Gleichzeitig mahnen Beispiele wie das begrenzte Platzangebot im Fahrstuhl zur Wachsamkeit. „Inklusion Muss Laut Sein“ bleibt daher am Ball – denn ein Amt ist erst dann wirklich barrierefrei, wenn jeder Mensch seine Anliegen ohne fremde Hilfe und ohne Sicherheitsrisiken erledigen kann. Wir danken den Verantwortlichen für die Offenheit und die konstruktive Zusammenarbeit, die diesen wichtigen Schritt vor Ort erst möglich gemacht hat.
